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pirna_alt.jpgbastei_ruffert.jpgEine etwa 100jährige Anekdote, die auf dem Gleichklang von mundartlich/sächsisch ausgesprochenen Ortsnamen und Verben beruht:

 

*Da kommt auf dem Pirnaer Bahnhof an einem schönen Sommertag mit dem Frühzug aus Dresden ein Herr in mittleren Jahren an, steigt aus und steht nun auf dem Bahnsteig. Man sieht ihm an, dass er wandern gehen will, denn er hat statt des Koffers einen Rucksack, trägt feste Schnürschuhe und hält einen Knotenstock in der Hand. Als der Zug nach Böhmen weitergefahren ist, schaut sich der Ankömmling auf dem Bahnsteig um und erspäht einen blau gekleideten Bahnbeamten, der gerade zurück ins Stationsgebäude gehen will. „Verzeihen Sie, mein Herr, würden Sie mir eine Auskunft zur hiesigen Gegend erteilen?“ fragt er diesen höflich. „Awer gerne, was woll’n Se denn wiss’n?“ antwortet der Rotbemützte. „Ich möchte gern zum Basteifelsen wandern. Wie komme ich da am günstigsten hin?“ Der Einheimische denkt kurz nach und gibt ihm dann folgende Ratschläge: „ De Bastei liecht ja drühm uff dr rechd’n Elbseide, da müss’n Se zunächsd dort üwer de Elbbrügge geh’n. Als ersde Meechlichgeid gann ich Ihn’n den Wech über ZEICHEN (Ort) „zeich’n (=zeigen). Se müss’n dann weider den Fußwech an dr Älbe nach WEHLEN „wähl’n; dord geht’s dann ‚nuff uff de Höhe zum Schdeinernen Disch (Steinernen Tisch ) und zur Bastei. Se gönn’n awer ebenso unden am Wasser bleim, denn ooch zur Dour über RATHEN gann ich Ihn’n „rad’n“. Schließlich, da Se ja gud zu Fuß sin’, is der edwas weidere, aber sehr romandische Wanderwech durchs Wesenitzdal, durch den Liebedhaler Grund zu nenn’n. Diese Schdregge üwer LOHMEN ist ebenfalls zu „lohm“.“ *

erbsealt3.jpgVier Ortsnamen aus einem kleinen Gebiet, mundartlich in Übereinstimmung mit den genannten Tätigkeitswörtern  - das hat man selten.

 

Welchen Weg der Wanderer nahm, weiß die Anekdote nicht zu sagen, aber dass die Hinweise stimmen, lässt sich per pedes oder mit dem Finger auf der Landkarte verfolgen.                                                      

© Siegfried Störzel       

 

Vielleicht kam der Wanderer vor 100 Jahren auf dem Rückweg von der Bastei – über Bad Schandau nach Pirna – dann auch hier vorbei!