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....... ist die Geschichte Südost-Sachsens.

 

erbsealt2.jpgBis zum Beginn des 12. Jahrhunderts war das Gebiet des heutigen Freistaates von sorbischen Bauern bewohnt, die in kleinen, weit verstreuten Dorfgemeinschaften überwiegend die damaligen Offenlandschaften besiedelten. Die mit einem wirtschaftlichen Aufschwung verbundene Zunahme der deutschen Bevölkerung westlich von Elbe und Saale und die großen Lasten, die ihr von der feudalen Obrigkeit auferlegt wurden, führten zu einer Ostwanderung von Bauern, die sich allmählich in den von den Sorben unbewohnten – weil unerschlossenen – Regionen niederließen. Diese Ostexpansion war keine gewaltsame Eroberung, sondern eher ein langsames Einsickern. Die kirchliche und weltliche Obrigkeit folgte den Siedlern und gab ihnen Privilegien, die in den ursprünglichen deutschen Stammgebieten nicht möglich waren. Sie wurden mit den gewaltigen Anstrengungen der Kolonisten bei der Urbarmachung bisher unerschlossenen Landes bezahlt.

 

 

In den neuen Siedlungsgebieten – den Marken – entstanden tausende von Kolonistendörfern, die vorerst neben den sorbischen Siedlungen existierten. Die größere Zahl und höhere Produktivität der deutschen Siedler führte dazu, dass die sorbische Bevölkerung schließlich in der deutschen aufging, d.h. mit ihr vermischt wurde und teilweise selbst zu Kolonisten wurde. Nur in der Lausitz konnten sich bis heute sorbische Gemeinschaften mit eigener Tradition, Sprache und Kultur erhalten. Das Vordringen der Kolonisten in die Gebirgsregionen erforderte neue Siedlungsformen. Im Unterschied zu den Rundanger- und Straßenangerdörfern, die in den Ebenen möglich waren, passten sich die Waldhufendörfer den komplizierten Landschaftsformen an. Gleichzeitig bildeten sie einen Übergang von der genossenschaftlich-geregelten Form der Dreifelderwirtschaft zur Einzelbauernwirtschaft.

 

 

erbsealt3.jpgIn den Kolonistendörfern erhielt jeder Siedler seine Hufe – ein jeweils gleichwertiges Stück Land, welches er mit seiner Familie bewirtschaften konnte. Auch die Kirche wurde mit einer Hufe belehnt. Allein der Dorfvorsteher, der den Grundherrn in der Dorfgemeinschaft vertrat, bekam zwei Hufen – als Aufwandsentschädigung für seine höhere Verantwortung. Er übte im Auftrag des Grundherrn die niedere Gerichtsbarkeit im Dorf aus und besaß mancherlei Vorrechte (z.B. Schank- oder Handelsrechte), die ihn aus der übrigen Dorfbevölkerung hervorhoben. Ursprünglich wahrscheinlich von der Dorfgemeinschaft gewählt, übertrug sich mit Besitz und Privilegien auch das Amt auf die Nachkommen.

 

Je nach Herkunft der Siedler nannten sich die Dorfvorsteher Bauernmeister, Schultheiße, Heimbürgen oder – wie in unserer Region – Richter. Deren Höfe, die *ERBGERICHTE*, sind in fast allen Orten Südost-Sachsens nachweisbar und werden teilweise bis heute als Gasthöfe bewirtschaftet.